KULTURORT DEPOT ::: GESCHICHTE

Geschichte des Projekts
Das Projekt Depot speist sich in seinen Anfängen aus zwei ganz unterschiedlichen Initiativen: der bereits seit mehreren Jahren bestehenden, in einem anderen Straßenbahndepot untergebrachten Kulturwerkstatt Depot auf der einen, und der Initiative des in der Stadtteilarbeit tätigen Planerladens zu Gründung einer Nachbarschaftswerkstatt in der Dortmunder Nordstadt auf der anderen Seite. Beide Initiativen haben dem Depot ihren Stempel aufgedrückt. Das Depot ist ein Zentrum für Kunst und Kultur und es ist ein Zentrum für Nachbarschaft. Der Wille, sich mit dem umgebenden Stadtteil
auseinanderzusetzen, bewusst ein Teil dieses Quartiers zu sein, ist bis heute konstitutiv für die kulturellen Initiativen des Depot.

Zeitleiste
10. 04. 95
In Vorbereitung auf die Verhandlungen um den neuen Standort an der Immermannstraße gründen die Mitglieder der Kulturwerkstatt Depot in der Kleverstraße zusammen mit weiteren Interessenten einen gemeinnützigen Verein. Der Verein trägt den umständlichen Namen: „Vereins zur Förderung der Zusammenarbeit von Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Sparten und Handwerkerinnen und Handwerkern verschiedener
Gewerke“.
Der Planerladen wird als Träger „Nachbarschaftswerkstatt“ Mitglied in dem Verein.

Bis Herbst 95 Verhandlungen mit dem Ministerium für Städtebau, Kultur und Sport über eine Förderung des Projekts im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms des Landes NRW.

April 96 Das Projekt wird IBA-Projekt. Für die weitere Projektentwicklung werden unter Beteiligung von Land, Bezirksregierung, Stadtwerken als Gebäudeeigner und Stadt Dortmund drei von der IBA moderierte und durch Fachleute unterstützte Werkstattgespräche vereinbart. Auf der Grundlage einer konkretisierten Projektkonzeption werden ein Finanzierungsrahmen, ein Förderkonzept und der zeitliche Rahmen der Projektentwicklung erarbeitet.

April/Mai 96 Das Theater im Depot baut sich in der Immermannstraße seine provisorische Spielstätte aus und eröffnet mit dem 4-wöchigen Theaterfestival „Springflut“ den regelmäßigen Spielbetrieb.

Juni/Juli 96 Umzug der anderen „Altdepotler“ von der Kleverstraße in das Provisorium Immermannstraße.

03.07.96 Letztes Werkstattgespräch.
Das Förderkonzept und die Ziele des Projekts werden in einer Qualitätsvereinbarung festgelegt, die von allen Beteiligten als verbindlich anerkannt wurde.

Kernpunkte der Qualitätsvereinbarung sind:
– Für Ausbau und Projektentwicklung wird ein Zeitrahmen von 5 Jahren festgelegt.
– Für den Um- und Ausbau des vom Depot genutzten Gebäudeteils wird eine feste („gedeckelte“) Fördersumme festgelegt.
– Bauherr für den Aus- und Umbau ist der Depot e.V.
– Gefördert werden nicht nur Instandsetzung und Umbau des Gebäudes, sondern auch die Projektentwicklung, die nach Ablauf der 5 Jahre ein Überleben des Projekts aus eigener Kraft sicherstellen soll.
– Der Um- und Ausbau erfolgt als erhaltende Erneuerung des Industriedenkmals auf niedrigstem Standard unter vorrangiger Berücksichtigung der Senkung der Betriebskosten und angepasst an die Bedürfnisse und Möglichkeiten
der bereits vorhandenen Nutzer;
– 10% der Fördersumme für Instandsetzung und Umbau haben die Depotmitglieder als Eigenleistung zu erbringen.
– Die Art und Weise der Mittelvergabe soll dazu beitragen, hohe Flexibilität und Sparsamkeit bei der Verwendung öffentlicher Mittel durchzusetzen.
– Zur politischen, haushaltsrechtlichen und planerischen Unterstützung des Depot wird ein von allen Beteiligten beschickter Beirat eingerichtet, der die Kompetenz hat, die vom Depot e.V. vorgelegten Verwendungsnachweise abschnittsweise abzusegnen.
– Stadtteilförderung durch die Förderung von Eigeninitiative.

Die Grundsätze der Qualitätsvereinbarung haben sich voll und ganz bewährt.
Insbesondere die Tätigkeit des Beirats hat sich als eine starke Stütze des Projekts
auch in den immer wieder kritischen Momenten der Bauphase erwiesen.

Okt. 1996 Abgabe des Förderantrages bei der Bezirksregierung.

14.11.96 Das Projekt wird vom Rat der Stadt Dortmund in das „integrierte Handlungsprogramm Nordstadt“
aufgenommen.

30.11.96 Das Depot veranstaltet seinen ersten Kunstmarkt unter dem Titel „1000+1 Meisterwerk“

Dez. 1996 Grundsätzliche Förderzusage durch die Landesregierung.

Jan. 1997 Frost total: bei –15 Grad bricht die gesamte Wasser- und Heizungsversorgung im Depot zusammen.

Februar 97 Die Geschäftsstelle nimmt mit Helga Beckmann und Marlies Dauber ihre Arbeit auf und wird ab sofort zur unverzichtbaren Hauptstelle für die gesamte Projektentwicklung.

14.4.97 Architekten und Haustechniker werden mit der Planung des Ausbaus von 4.300 qm Nutzfläche für das Depot in der ehemaligen Staßenbahnhauptwerkstatt beauftragt.

12.-14.09.97 Das neue Depot feiert mit einem ersten großen Fest den Baubeginn in der Immermannstraße unter dem Thema „Weichenstellen“.

Okt. 1997 Abgabe des Bauantrages

Dez. 1997 Die Finanzierung ist gesichert. Die Landesregierung bewilligt insgesamt DM 6,5 Mio. für die Sanierung, Um- und Ausbau des Depot-Gebäudes und DM 1,2 Mio. für die Förderung der Projektentwicklung in den ersten 5 Jahren. Die Mitglieder des Vereins Depot müssen für DM 550.000 Eigenleistung erbringen. Der Bewilligungsbescheid wird überreicht. Die ersten Mittel werden mit Unterstützung der Stadt Dortmund noch zum Jahresende überwiesen.

Frühjahr u. Sommer 1997 Sanierung der Außenfassaden: das Depot bekommt sein neues/altes Gesicht. März 1998 Das Bauordnungsamt der Stadt Dortmund erteilt die Baugenehmigung.

April 1998 Frauen des Qualifizierungsprojekts „Handfest“ richten ihre Baustelle ein. Die ersten Steine werden gesetzt. Die Depot-Eigenleister kommen in Schwung.

16.5.98 Feierliche Enthüllung des Bauschildes durch den Vorsitzenden der Stadtwerke AG Harald Heinze.

Dez. 1998 Die DOBEQU (Dortmunder Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekt für Langzeitarbeitslose) nimmt im Depot ihre Arbeit auf. Träger der DOBEQU ist die AWO. Die anfallenden Lohnkosten trägt das Arbeitsamt, die
Overheadkosten das Depot. Die DOBEQU wird in den kommenden zweieinhalb Jahren zum festen Bestandteil des Baustellenalltags im Depot, die Mitarbeiter zu guten Bekannten. Die Integration er DOBEQU in das gleichzeitig von verschiedenen Fachfirmen und Eigenleistern getragene Baugeschehen war kein einfaches Ding und hat von Geschäftsführung, Vorstand und Architekten jede Menge Geduld, Nachsicht und organisatorisches Geschick gefordert. Ohne die Arbeit DOBEQU wäre es jedoch nicht möglich gewesen, die Baukosten auf dem vorgegebenen niedrigen Level zu halten.

Herbst 1998 Die Stadt Dortmund gewinnt mit dem Depot-Projekt einen Landespreis für nachhaltige Stadtentwicklung. Die Preisgelder werden dafür eingesetzt, die marode Nordfassade der großen Mittelhalle komplett zu erneuern.
Unter dem Stichwort „Licht ins Depot“ wird die Giebelwand verglast und damit der Blick in den Grünraum des Fredenbaumparks geöffnet. Die Halle hat durch diese Maßnahme nochmals deutlich an Attraktivität gewonnen.

Jan. 1999 Offene Türen. Die Depotler zeigen, wie sich’s auf der Baustelle leben lässt.

Dez. 1999 Die ersten Nutzer können ihre neuen Räume beziehen.

Aug. 1999 Um der Instandsetzung des Depotgebäudes trotz knappster Mittel auch eine ökologische Dimension zu geben, beteiligt sich der Depot e.V. an der landesweiten Ausschreibung der Emschergenossenschaft „Route des Regenwassers“. Das Depot bekommt einen Zuschlag. Das Projekt umfasst die Dachentwässerung, die Anlage von Sickermulden, die Umnutzung der vorhandenen alten Öltanks, die Anlage eines Brauchwassernetzes, die Begrünung der Außenanlagen, eine Teichanlage und ein Wasserspiel. Die geforderte 20-prozentige Eigenleistung wird über einen Kredit finanziert, der aus der Gebührenersparnis abgetragen wird. Durch die Brauchwassernutzung und die Gebührenersparnis trägt dieses Projekt langfristig zu einer deutlichen Senkung der eigenen Betriebskosten bei.

20. – 22.8.1999 Im Rahmen der IBA-Abschluss-Präsentation macht das Depot eine gemeinsame Kunstaktion. Drei Tage wird gemeinsam mit dem Werkstoff Lehm gearbeitet. Die Ergebnisse werden in einer Abschlussaustellung der Öffentlichkeit präsentiert.

Apr. 2000 Das landesweite Theaterfestival „Theaterzwang“ wird in Anwesenheit von viel Theaterprominenz im Depot eröffnet.

??-?? Einbau der Sprinkleranlage.

Aug. 2000 Im Rahmen von Sponsoring-Verhandlungen mit der DEW wird vereinbart, auf dem Dach des Depotgebäudes eine Fotovoltaikanlage zu installieren und dem Depot e.V. das Nießbrauchrecht zu übertragen. Die Anlage erzeugt pro Jahr ca. 8.500 kWh. Auch durch dieses Projekt soll ein ökologischer Beitrag zur Senkung der Betriebskosten
des Projekts geleistet werden.

4.7.2000 Eröffnung der DEPOTHEK, der neuen Kneipe im Depot.

Sept. 2001 Unter dem Motto: „Fix und fertig“ wird das Depot mit einer zweitägigen Kulturveranstaltung eröffnet. 420 Gäste sind zu einem riesigen Gastmahl in die große Mittelhalle des Depot geladen und lassen sich mit kulinarischen und künstlerischen Leckerbissen verwöhnen. Danach gibt es einen ganzen Tag Kunst und Kultur in allen Räumen.
Damit ist die Ausbauphase (fast) abgeschlossen. Der nicht minder schwierige Alltag beginnt. Die schützende Haube der Landesförderung beginnt sich bereits zurückzuziehen. Jetzt muss sich bewähren, was an Formen des Zusammenlebens entwickelt wurde. Es wird sich zeigen, ob Kraft und Initiative ausreichen, den finanziellen Belastungen standzuhalten, Konflikte zu lösen und das Leben im Depot weiterhin so lebenswert zu gestalten, wie es bisher gewesen ist.


Zur Geschichte des Gebäudes
Aufgrund der Expansion des öffentlichen Personennahverkehrs, von der Pferdebahn der betuchten Menschen zur elektrifizierten Straßenbahn für die Massen der Bevölkerung, entstand 1915 /16 durch die Architekten Karl Pinno und Philipp Bachmann die Straßenbahnhauptwerkstatt Dortmunds an der Immermannstraße.
Bei der Werkstatt handelt es sich um ein weitgehend eingeschossiges Bauwerk, mit neoklassizistischer Ziegelfassade auf hohem Werksteinsockel und einer inneren filigranen Stahlfachwerkkonstruktion zum Teil mit Ziegelmauerwerk ausgefacht.

Den Mittelteil des Gebäudes bildete eine Halle, in der sich die Schiebebühne befand. Sie diente dem Transport der Straßenbahnwagen und verlief längs der Achse quer durch den Raum. Von ihr gingen rechts und links die
verschiedenen Werkstätten ab. Heute noch ablesbar z.B. durch die Nummerierung der Werkstattbereiche.

Die neoklassizistische Frontfassade des Hauptwerkstattgebäudes misst eine Länge von 87m. Die Gesamttiefe des Objekts beträgt 89m. Die Frontfassade wird von einem Mittel- und zwei Seitenrisaliten ausgebildet. Sie wird durch schmale Pfeiler gegliedert, zwischen die schmale, hohe Fenster gesetzt wurden. Im Mittelrisalit befand sich die Eingangstür und im Giebelfeld darüber ein repräsentativ wirkendes Thermenfenster.

Die Haupt- und Nebendächer im Innern der Halle werden von einer filigranen Stahlfachwerkkonstruktion mit Zugband getragen. Diese besondere und seltene Tragkonstruktion aus Doppelwinkeln findet sich in den heutigen Bauweisen nicht mehr wieder und ist mit ein Grund dafür, dass das Gebäude 1990 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Beeinträchtigungen der Funktionen z.B. durch die größer werdenden Straßenbahnwagen, aber auch durch die starken Bergsenkungen, die Halle hat sich von Süd nach Nord um 1,56 m abgesenkt, veranlassten die Dortmunder Stadtwerke, diesen Betriebsstandort aufzugeben. Bis zum Jahr 1995 wurde die Hauptwerkstatt für die Wartung der Dortmunder Straßenbahnen genutzt.


Das Gebäude
Die Straßenbahnhauptwerkstatt der Dortmunder Stadtwerke

Technische Daten:
Nettogeschossfläche: ca. 9.000 m²
Bruttorauminhalt: ca. 44.700 m³
Nutzfläche Eigentümer: ca. 2.440 m²
Nutzfläche Depot e.V.: ca. 4.220 m²
Mittelhalle (Schiebebühne): ca. 1.400 m²
Gesamtnutzfläche: ca. 8.060 m²

Aus- und Umbau
Kostenkennwerte Bereich Depot e.V. (Brutto):


Kosten / Nutzfläche
(5.620 m²) ca. 860 E 1 m² NFL
Kosten / Rauminhalt (31.600 m³) ca. 150 E J m³ BRI.